3. Sonntag nach Trinitatis, 2. Juli 2017, Lukas 15, 1-7

Wer ist dir wichtig? So kann man fragen, wenn man das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lukas 15, 1-7) am 3. Sonntag nach Trinitatis hört.

Jesus erzählt das Gleichnis, weil er angegriffen wurde.

Weil er zu viel Zeit für die hoffnungslosen Fälle und die üblen Leute hatte. Weil er nicht bloß mit den Anständigen und Gebildeten verkehrte. Sondern auch mit den Diskriminierten, Verrückten, Kranken, Verachteten, Verirrten und Irren.

Ihr kennt das Problem: Für die Familie, die Freunde, die freundlichen Nachbarn und netten Kollegen haben wir immer zu wenig Zeit. Die Unverschämten, Aufdringlichen, Hilfe Bettelnden stehlen Zeit und Kraft. Bei einigen wissen wir: denen ist nicht zu helfen.

Jesus war anders. Er hörte allen zu, die ihn ansprachen.

Wer braucht mich? So kannst Du Dich fragen. Nicht: Wen kann ich brauchen?
Ein Pfarrer kann kritisiert werden, wenn er sich vor allem um Süchtige, Bettler, Obdachlose, Flüchtlinge kümmert.
Eine Lehrerin, wenn sie sich vor allem um die schlechtesten Schüler und zu wenig um die Begabten sorgt.
Ein Arzt, der auch behandelt, die nicht versichert sind.
Politiker, die für wirklich Notleidende und Vernachlässigte eintreten.
Ein Chef, wenn er einen schlechten Arbeiter nicht feuert.
Ein Geschäftsmann, der den Ladendieb nicht anzeigt, sondern mit ihm redet.

Sagt nicht: Ich kann nicht allen helfen. Ich habe keine Helferneurose: Es kann krankhaft sein, wenn jemand allen helfen will und sich dabei verbraucht. Und sagt auch nicht: Diakonie und Sozialer Dienst sind dafür da. Menschlichkeit ist immer noch nötig.

Und wenn Jesus in schlechter Gesellschaft war – so der Titel eines Jesusbuchs – so darfst du das auch.

Anders betrachtet:

Bist du ein verlorenes Schaf? Dann wisse: Jesus liebt mich!

Oder bin ich Herdenschafoder Stallschaf? – Dem geht es gut, es lebt sicher, und es ist sauer, weil ich von Jesus nichts erlebe. Dabei hat er doch vorgesorgt jeden Tag.

Oder: Freue ich mich, wenn ein „schwarzes Schaf ein braves Schaf wird? – Kann ich jemand verzeihen, der Unrecht oder Schlimmes getan hat?

Und ist die Gemeinde der Stall, in dem die Verlorenen sich zuhause fühlen und alle sich freuen, dass wieder einer zurück gekommen ist? Auch wenn die Neue oder der Neue schlimme Geschichten gemacht hat?

Als Kind habe ich gesungen: Weil ich Jesu Schäflein bin.
Freue ich mich immer hin über meinen guten Hirten,
der mich wohl weiß zu bewirten, der mich lieb hat, der mich kennt
und bei meinem Namen nennt.

Die These 1 der 95 Thesen Martin Luthers heißt: Das ganze Leben soll Bußetun sein.

Das ist evangelisch: Jeden Tag bereit sein, sich zu ändern und neu anfangen. Darüber würden sich alle freuen.

Den 23. Psalm (Der Herr ist mein Hirte) könnt Ihr heute miteinander beten, mehrmals, in deutsch und russisch. Einzeln und gemeinsam.

Wir beten heute mit allen Christen in der Welt für die Kirchen und Menschen in Brasilien, Chile, Peru

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