Gibt es eine Möglichkeit Gott nicht-personal zu denken? (Mitglied im Ältestenkreis, Mannheim)

„Du sollst Dir kein Bild von Gott machen“ – trotzdem sprechen / beten wir Gott an. Damit wird er aber personal und das IST schon ein Bild! Gibt es die Möglichkeit, Gott nicht personal zu denken?

 

 

5 Gedanken zu „Gibt es eine Möglichkeit Gott nicht-personal zu denken? (Mitglied im Ältestenkreis, Mannheim)

  1. Wenn ich Gott als Person anspreche, verstößt das nicht gegen das Bilderverbot. Das Bilderverbot wehrt eine Verdinglichung Gottes ab, indem ich Gott z.B. in einem Objekt anbete, und es wehrt eine Engführung Gottes ab, z.B. auf Blondheit und Blauäugigkeit. Mit anderen Worten: Es wahrt und verteidigt die Freiheit Gottes. Diese Freiheit hat (im Idealfall) jede Person, der ich begegne, ich darf sie nicht beschneiden und beschränken (auch wenn ich das oft versuche, gerade in Beziehungen und Familien). Der Missbrauchsfall (den man auch „Sünde“ nennen könnte) widerspricht aber nicht dem „Normalfall“: dass ich Gott als Person respektiere.
    Meiner Meinung nach kann man Gott gar nicht anders als personal denken. Denn sobald ich Gott anders denke – z.B. als „Macht“, als „Energie“ oder was weiß ich – begrenze ich Gott, schränke seine Freiheit ein. Wenn ich schon keinen Menschen wirklich kennen kann – was ich spätestens dann erkennen muss, wenn ich in einer Beziehung lebe -, wird es mir erst recht nie gelingen, Gott zu kennen. Indem ich also ernst mache damit, dass Gott eine Person ist, wahre ich paradoxerweise seine Freiheit und damit das Verbot, sich ein Bildnis von Gott zu machen.
    Außerdem hilft mir das personale Reden von Gott dabei, mit dem „deus absconditus“, mit dem verborgenen, unverständlichen Gott klar zu kommen: Gott hat Seiten, die ich nicht verstehe – seinen Zorn, seine Eifersucht, seine Allmacht, die er nicht zeigt … Wenn ich nun Gott auf ein philosophisches Konstrukt reduziere, gerate ich in Aporien: Ich kann das Unverständliche nicht erklären, es passt nicht ins „Bild“. Vielleicht wird deshalb so oft und so einseitig vom „lieben Gott“ geredet. Kann ich Gott als Person ansehen, bleibt er mir zwar unverständlich, aber ich kann ihn trotzdem lieben oder zumindest respektieren, wie ich das mit Menschen tue, die ich ja auch oft nicht verstehe.

  2. Im Übrigen (diese Bemerkung kann ich mir einfach nicht verkneifen) sehe ich in der Frage eine religiöse Hybris, ein „päpstlicher sein Wollen als der Papst“: Jesus selbst hat seine Jünger gelehrt, Gott als „Vater“ anzusprechen – na, wenn das nicht eine personale Anrede ist! Wenn also Jesus selbst das Bilderverbot übertritt (wie er ja, den Menschen zuliebe, ganz gern mal Gebote übertreten hat), sollten auch wir Gott als Vater (oder Mutter) sehen und anreden dürfen.

  3. Den Gedanken, dass das personale Reden von Gott gegen das Bilderverbot verstößt, hatte ich auch schon mal. Aber ich habe gelernt, dass ganz konkret wirklich nur gegenständliche Bildnisse verboten sind. Der Aufbau einer Beziehung zu Gott geht andererseits ja auch wesentlich besser, vielleicht auch überhaupt nur, mit einer Personifizierung.

    Trotzdem sind mir Leute lieber, die nicht ständig von Gott reden, als wüssten sie wirklich, wovon sie sprechen oder als wären sie sogar Gottes Berater, sondern die mit der Option einer Personifizierung, gerade nach außen hin, sehr zurückhaltend umgehen.

  4. Gott ist keine Person, Gott ist ein Ich, das Vater, Sohn und Heiliger Geist in Einem ist. Erkennt, anerkennt, dass ICH euer Gott bin. Wenn wir an Ich denken, denken wir an Person, so wie wir unser Ich erfahren. Aber Gott, „Vater“, ist keine Person, Gott, „Vater“ oder auch Mutter ist Heimat, ist Wohlbefinden, Frieden, Ausgangspunkt und Heimkehr, A&O, Geburt im Leben und Geburt im Sterben, Dasein, Begleitung im Alltag, ohne uns unsere Verantwortung zu nehmen, in unserem Bösen wie Guten.

    All dies ist keine Person, das ist wesentlich komplexer und vielschichtiger. Wenn sich das Ich öffnet, ist kein Bild mehr, das unserer Vorstellung vom Jetzt entspricht.

    Die Schwierigkeit liegt darin zu erklären, wie das Ich ist, das keinem Bild entspricht, keiner Person im menschlichen Verständnis, obwohl es ein fassbares, erlebbares Ich ist. Wie erkläre ich ein bildloses, lichtloses, nicht menschlich konkret fassbares, ein Nichts-Ich? Ein Ich, das dir sagt, ich bin dein Gott, ein Ich, das dir Heimat gibt und du weißt, dass es Ist?

    „Lieber Gott“ ist mir eingängig, da es dort ist, wo Heimat ist und in der Heimat fühle ich mich geborgen, im Ausgangs- und Endpunkt, unabhängig, was der menschliche Alltag gerade so bietet. Das ist von Mensch nachvollziehbar. „Lieber Gott“ ist genauso wenig personal wie das göttliche Ich an sich. Es zeugt nur von der liebenden Beziehung zu diesem nicht personalen göttlichen Ich.

    Die Begrenzung von Gott liegt gerade im personalen Denken. Damit packen wir ihn in ein Bild, das unseren Bildern, unseren Kategorien, unseren Denkmustern entspricht, das für uns in unseren Kategorien fassbar, begreifbar, ansprechbar ist, weil wir nicht zulassen können, dass er mehr ist, als wir begreifen können. Das Anhaften am Bild ist es, das wir nicht lassen können. Wir meinen, ihn in „Person“ packen zu müssen, in eine menschliche Kategorie.

    Zuzugeben, dass Gott etwas ist, das im unseren Erklärungsmustern in Gänze nicht erklärbar ist, entmachtet uns, macht uns zu Kindern, die nichts wissen. Gott entgleitet unserer Kontrolle und unserer Besserwisserei. Er setzt damit sein Ich über unser Ich.

  5. Wenn es Gott gibt, dann versteht er es so sehr gut, dass wir nicht an ihn glauben können. Wir sollen uns nicht plagen mit dieser Frage, sondern das Leid der Mitmenschen versuchen zu vermindern.

    Überlegt habe ich schon mal, ob nicht die Mitmenschkeit selbst „Gott“ ist.
    Der Begriff ist eh versaut, kann man deshalb eigentlich nimmer verwenden!

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